30 Jahre Bürgerstiftungen – ein Erfolgsmodell

Aktive Bürgerschaft Fotowettbewerb 2026

Bürgerstiftungen sind längst mehr als lokale Geldtöpfe. 435 Stiftungen haben inzwischen über eine Milliarde Euro mobilisiert. Besonders erfolgreich sind jene, die Treuhandstiftungen und Stiftungsfonds unter ihrem Dach bündeln. Warum Kooperation, Beharrlichkeit und permanentes Werben um Stifter den Unterschied machen.

Als 1996 die erste Bürgerstiftung Deutschlands in Gütersloh gegründet wurde, war von einem Stiftungsboom noch wenig zu spüren. Erst 2016, nach den Reformen im Stiftungsrecht, wuchs der Anteil der Stiftungen auf heute 29.000 rechtlich selbständige Stiftungen. Die Bürgerstiftungen wuchsen im selben Zeitraum aber auch stark an und verwalten heute ein Vermögen von 684 Millionen Euro. Gemeinsam mobilisiert haben die 435 Bürgerstiftungen in Deutschland seitdem über eine Milliarde Euro. Allein 264 Millionen Euro an Spenden sind darunter. Somit ist diese Form auch als Fundraisingziel ein Erfolgsmodell.

Das Erfolgsrezept ist die demokratische Grundstruktur der Bürgerstiftung, die als Gemeinschaftsstiftungen demokratisch über die Erträge bestimmen. Ein Modell, das vielen selbständigen Stiftungen noch fremd ist und sie auch immer wieder in Legitimationsdiskussionen bringt. Nicht so bei Bürgerstiftungen.

Sammelbecken kleinerer Treuhandstiftungen

Außerdem haben Bürgerstiftungen sich zu einem Sammelbecken von kleineren Treuhandstiftungen entwickelt, die entweder mit ihren Stifterinnen und Stiftern erst wachsen wollen oder durch Vermächtnisse für gezielte Zwecke errichtet wurden. Mittlerweile entdecken auch Kommunen, dass es besser ist, mit Bürgerstiftungen zu kooperieren, statt sie selbst zu verwalten.  So übernahm etwa die Bürgerstiftung Bremen im Dezember 2024 Kapital aus fünf unselbständigen Stiftungen und Vermächtnissen als Zulegung. Durch die Übertragung spart die Stadt nicht nur Geld für Personal und Verwaltung, sondern das Geld kann nun auch besser für die Satzungszwecke eingesetzt werden.

Gerade die Kommunen profitieren von den Bürgerstiftungen, sind diese doch meist an eine Gemeinde oder eine Region geknüpft. Zivilgesellschaftliches Engagement wird hier gebündelt, Bedürfnisse in Kommunen meist schneller erkannt als von Stadträten, und Engagement ist meist auch durch Ehrenamtliche da.

Kooperationen helfen Problem zu lösen

Die Probleme der Stiftungen gehen aber auch nicht an den Bürgerstiftungen vorbei. Niedrige Zinsen lassen Erträge schwinden. Da sind Zusammenlegungen oder Kooperationen sinnvoll. So auch, als die Bürgerstiftung Mittelhessen im Januar 2026 die Bürgerstiftung Fernwald übernahm und diese als Stiftungsfond integrierte. Über die Erträge von 4.000-6.000 Euro entscheiden weiterhin die Bürgerinnen und Bürger von Fernwald, die so aber nun die Verwaltungskosten für ihre Stiftung sparen.

Trotz der beeindruckenden Zahlen gibt es aber auch Unterschiede zwischen Ost und West, Stadt und Land. Die Bürgerstiftung Leipzig zum Beispiel hat tatsächlich mehr als 250 Stifterinnen und Stifter. Das Stiftungskapital liegt aber gerade mal bei 750.000 Euro im Jahr 2026. Und das auch nur dadurch, dass mittlerweile bei jeder Aktion, bei jeder Pressemitteilung und in jedem Flyer steht: Wir suchen Stifterinnen und Stifter. Werbung ist also auch da wichtig, um das Modell der Stiftung bekannt zu machen. Auch im Osten, wo Vermögen eher noch überschaubarer sind. Trotzdem konnte mehr als die Hälfte des Vermögens seit 2023 eingeworben werden Da war die Stiftung bereits 19 Jahre alt. Kapitalaufbau ist ein Marathon, kein Sprint.

Gute Umsetzung von Stiftungszwecken

Umso schöner ist es, wenn Spendenaktionen veritabel zur Umsetzung von Stiftungszwecken beitragen, wie bei den Bürgerstiftungen im Norden, die von der NDR-Spendenaktion „Hand in Hand für Norddeutschland“ als Begünstigte dabei sind und im Dezember 2025 ganze 3,25 Millionen Euro für Projekte gegen Einsamkeit bekamen.

Die 100 größten Bürgerstiftungen vereinen heute 80 Prozent des Stiftungsvermögens dieser Stiftungsart. Besonders schnell wachsen laut Jonas Rugenstein vom Lehrstuhl für Public und Non-Profit Management der Uni Freiburg Bürgerstiftungen, die unter ihrem Dach eigene Stiftungen errichten lassen, entweder als Stiftungsfonds oder Treuhandstiftungen. Spannend ist, dass Bürgerstiftungen, die das ermöglichen, auch mehr Spenden und Zustiftungen erhalten. Laut Rugenstein erhielten diese Stiftungen 2024 insgesamt 85 Prozent der Zustiftungen und 74 Prozent der Spenden für Bürgerstiftungen.

Mehr zu dieser Form der Stiftung und über die Stiftung Aktive Bürgerschaft lesen Sie im aktuellen Magazin bürgerAktiv 2026/27

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