Die Spendenbereitschaft sank 2025 deutlich. So kann man die Ergebnisse des Deutschen Spendenrats kurz zusammenfassen. Am Ende hat es der Dezember noch einmal rausgerissen. Aber darauf ist kein Verlass, wie die Zahlen zeigen.
Die vom Deutschen Spendenrat e. V. gemeinsam mit YouGov vorgestellte „Bilanz des Helfens 2025“ zeichnet ein differenziertes Bild des deutschen Spendenmarktes im letzten Jahr: Während die Zahl der Spenderinnen und Spender sowie das Gesamtvolumen deutlich rückläufig sind, erreicht die durchschnittliche Spende pro Einzelgabe einen neuen Höchststand.
Im Zeitraum Januar bis Dezember 2025 spendeten deutsche Privatpersonen 4,649 Milliarden Euro. Das sind rund neun Prozent, also 463 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Spende pro Spendenakt auf den Rekordwert von 46 Euro und somit etwa drei Euro mehr als im Jahr 2024. Aber auch die Spendenfrequenz hat sich verringert. Aktuell wird im Durchschnitt knapp sechsmal pro Jahr gespendet. Nur noch ein Viertel der Bürger hat gespendet.
Unsicherheit als Grund für Rückgang
Pastor Ulrich Pohl, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Spendenrats e. V. und ehemaliger Vorstandsvorsitzender der von Bodelschwinghschen Stiftungen in Bethel, macht dafür die unsicheren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zeiten verantwortlich. Da „wägen die Menschen ihre Entscheidungen sorgfältiger ab. Doch wenn sie helfen, dann tun sie es mit Überzeugung und mit Substanz.“
Tatsächlich zeigen die Zahlen von Yougov ein Paradoxon. Unserer Gesellschaft ging es noch nie so gut. Immer mehr Haushalte verfügen über ein höheres Netto-Einkommen. Gleichzeitig wird die Zukunft pessimistisch beurteilt. Das erklärt auch die Rekord-Sparquote von 18,7 Prozent für das Jahr 2025. Das Geld wird zusammengehalten. Das wird auch daran deutlich, dass der Spendenverlust in den unteren Einkommensgruppen deutlich massiver ausfällt, als in den hohen Einkommensgruppen. Der Verlust findet also eher in der Breite als in der Spitze statt. Auch das ist ein Grund dafür, dass Organisationen immer stärker auf Themen wir Großspenden- und Nachlass-Fundraising setzen.
Das Minus ist aber gewaltig und wird eigentlich nur durch den alles überragenden Spendenmonat Dezember rausgerissen. Mit 1,124 Milliarden Euro lag er 15 Prozent über dem Vorjahres-Dezember und machte allein 24 Prozent des gesamten Jahresaufkommens aus. Martin Wulff, Geschäftsführer des Deutschen Spendenrats e. V. sieht als Grund, dass sich zum Jahresende hin „Aufmerksamkeit, Solidarität und Verantwortungsgefühl“ bündeln. Experten sagen allerdings, dass es die traditionell intensiven Spendenkampagnen und die ökonomische Gewissheit über die eigene finanzielle Leistungsfähigkeit sind, die das Spendenverhalten so stark in dieser Zeit beeinflussen.
NRW und Hessen spendabel
Auch regional gibt es Unterschiede. Während insbesondere Nordrhein-Westfalen und Bayern im Vergleich zum Jahr 2019 ihre Spendeneinnahmen steigern konnten, bleibt das bundesweite Spendenvolumen 2025 insgesamt unter dem Vorkrisenniveau von 2019. Schaut man die Durchschnittsspenden an, erkennt man, wo die Potenziale sind. NRW liegt hier mit im Schnitt 62 Euro pro Spendenakt vor Hessen mit 61 Euro. Alle anderen Bundesländer liegen deutlich unter dem Schnitt von 46 Euro pro Spendenakt. Die östlichen Bundesländer bilden das Schlusslicht mit 33 Euro im Schnitt pro Spendenakt. Auch die Spendenbereitschaft ist hier weiterhin niedriger.
Generation 60+ wichtig
Die Generation 60+ bleibt mit einem Anteil von 58 Prozent die wichtigste Stütze des Spendenaufkommens. Insgesamt verzeichnete diese Altersgruppe jedoch einen Rückgang von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die besonders spendenaktive Wiederaufbau-Generation (74 Jahre und älter) umfasst heute rund zehn Prozent weniger Menschen als noch vor einem Jahr. Das entspricht rund einer Million Menschen weniger in dieser Altersgruppe. Das Spendenvolumen der Altersgruppe 70+ sank um 21 Prozent auf 1,716 Milliarden Euro – ein Minus von 451 Millionen Euro gegenüber 2024. Das heißt: Alle Organisationen, deren Spendenbestand stark mit dieser Altersgruppe korrespondiert, müssen dieses Jahr mit deutlichen Verlusten rechnen. Gleichzeitig gibt es positive Signale aus jüngeren Altersgruppen: Die 40- bis 49-Jährigen steigerten ihre Spenden deutlich, ebenso die 60- bis 69-Jährigen.
„Für spendensammelnde Organisationen bedeutet diese Entwicklung, dass wir neue Zielgruppen noch differenzierter ansprechen müssen“, sagt Bianca Kaltschmitt, Stellvertretende Generalsekretärin von Help – Hilfe zur Selbsthilfe e. V., Mitglied bei Aktion Deutschland Hilft e. V. und langjähriges Mitglied im Deutschen Spendenrat e. V. „Wir erleben in unserer täglichen Arbeit, dass Menschen weiterhin helfen wollen, insbesondere bei akuten Krisen. Gleichzeitig spüren wir, dass Budgets bewusster geplant werden. Transparenz, Glaubwürdigkeit und nachvollziehbare Wirkung sind daher wichtiger denn je.“
Die komplette Studie ist hier abrufbar.
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