Gut oder schlecht? Das Spendenjahr 2025

Frau hält Tafel mit Statistik-Chart

Trotz unterjährig sehr rückläufiger Spendenzahlen könnte das Spendenjahr 2025 fröhlich ausklingen. Die Umfrage-Institute sind sich diesmal aber sehr uneinig. Aktuelle Studienergebnisse zeigen Gewinner und Verlierer. Die Internationale Hilfe ist stark unter Druck.

Noch Mitte des Jahres sah es düster aus. Die Spendeneingänge lagen laut YouGov 15 Prozent unter dem Vorjahr. Offenbar waren viele Organisationen damit beschäftigt, die kräftigen Kürzungen im Bundes- und in den Landeshaushalten zu verkraften und mussten erstmal konsolidieren. Dienstleister und Druckereien berichteten von sehr geringen Auflagen von Spendenbriefen in dieser Zeit. Doch zum Ende des Jahres zogen die Spendenaktivitäten deutlich an. Reicht der Dezember-Run für einen versöhnlichen Jahresabschluss?

Prognosen der Institute weichen stark ab

Das prognostizierte Spendenergebnis des Deutschen Spendenmonitors, einer Befragung, die vom Deutschen Fundraising-Verband und dem DZI veröffentlicht wurde, liegt bei 6,3 Milliarden Euro, ohne Großspenden von über 1.500 Euro. Das wären 300 Millionen mehr als im Vorjahr. Das Ergebnis von YouGov im Auftrag des Deutschen Spendenrates dagegen ist wesentlich pessimistischer für das Jahr 2025. Das Spendenvolumen bis September 2025 liegt aktuell bei 2,8 Milliarden und damit 14 Prozent unter dem des Vorjahres. Die Prognose für das Gesamtjahr liegt bei rund 4,7 Milliarden Euro, was viele Spenden im letzten Quartal voraussetzt und trotzdem einen Rückgang von 400 Millionen Euro bedeuten würde. So weit lagen die Institute noch nie auseinander. YouGov hat eine andere Form der Erhebung mit einem Panel von 10.000 Personen. Das Institut Bonsai befragt online über 5.000 Bürgerinnen und Bürger regelmäßig.

Verantwortlich für die vom Spendenmonitor festgestellte Steigerung ist die deutliche Erhöhung der Durchschnittsspende im Jahr von 174 auf 187 Euro pro Spenderin und Spender. Diese setzt sich so zusammen: 32 Euro wurden in bar gegeben, 109 Euro überwiesen oder online gespendet und 46 Euro sind steuerlich absetzbare Mitgliedsbeiträge. Alle Bereiche sind zum Vorjahr gewachsen. Nach YouGov war die Durchschnittsspende zum Vorjahr mit 41 Euro um zwei Euro höher als bei der Prognose des Vorjahres. 2024 lag sie dann nach dem starken Dezember-Run bei 43 Euro im Schnitt.

Wieder weniger Menschen die spenden

Das dicke Ende kommt aber noch. Wieder ist die Spendenquote, also die Anzahl der Menschen, die bezogen auf die Gesamtbevölkerung spenden, laut Spendenmonitor unter die 50-Prozent-Marke gefallen. Sie liegt bei 49,2 Prozent. Das heißt, die Organisationen konnten keine neuen Spenderinnen und Spender hinzugewinnen. Auch YouGov erfasst in der Hauptspendengruppe 70 plus weniger Menschen, die spenden, und auch geringere Spendensummen. Das können Zuwächse der jüngeren Zielgruppe nicht ausgleichen.

Als Grund für die Zurückhaltung sieht der Deutsche Spendenrat ein kompliziertes Umfeld: Inflation, hohe Lebenshaltungskosten, Verunsicherung durch anhaltende Rentendiskussionen und hohe Pflegekosten schränken Budgets vieler Haushalte ein. Gleichzeitig führt die Vielzahl globaler Krisen zu einer gewissen Erschöpfung. Bei der Inflation muss allerdings gesagt werden, dass es sich hier nur um eine gefühlte Inflation handelt, denn die Inflationsrate war im Gegensatz zum Jahr 2023 (5,9 %) mit 2,3 Prozent deutlich niedriger.

Hoch im Kurs stehen laut Spendenmonitor immer noch Sachspenden. 80 Prozent der Deutschen tun das. Unter den 41 Prozent der Bevölkerung, die angaben, ehrenamtlich tätig zu sein, sind 63 Prozent, die auch Geld spenden. Geldspender selbst sind etwas weniger ehrenamtlich aktiv (53 Prozent). Nordrhein-Westfalen sticht laut YouGov mit deutlich steigenden Spendeneinnahmen hervor.

Tier- und Umweltschutz gehen voran

Durchaus interessant ist ein Blick auf die Spendenzwecke. Treiber der letzten Jahre war laut Spendenmonitor der Tierschutz. Das bleibt auch so. 24 Prozent der Deutschen gaben in der Befragung des Spendenmonitors an, für Tierschutz gespendet zu haben (Vorjahr 20 %). Klimaschutz hat ebenfalls deutlich hinzugewonnen von sieben auf neun Prozent. Auch YouGov sieht in diesen Zwecken wichtige Themen für Spenderinnen und Spender.

Verlierer ist die Behinderten- und Krankenhilfe, die laut Spendenmonitor von 20 Prozent im Vorjahr auf 12 Prozent in diesem Jahr fiel. Ein wirklich krasser Abfall, der keine echte Erklärung hat, außer dass sich Organisationen in diesem Bereich immer stärker als Sozialunternehmen sehen und auf staatliche Entgelte setzen. Dem steht entgegen, dass Wohlfahrtshilfe und Gesundheitswesen um drei Prozentpunkte auf 13 Prozent Spendenanteil leicht zulegten. Das ist trotzdem ein krasser Verlust im Wohlfahrtsbereich innerhalb eines Jahres. Die Spendenbereitschaft für die Kirchen blieb stabil.

Weniger Solidarität mit dem Ausland

Besonders deutliche Verluste hat ausgerechnet die Internationale Hilfe zu verkraften. Da es keine medienwirksame Berichterstattung über Katastrophen, sondern eher die medial wenig beachtete Hungerkatastrophe in Afrika gab, spendeten die Menschen laut Spendenmonitor nur zu 17 Prozent für Hilfe in Katastrophengebieten. Im letzten Jahr waren es noch fünf Prozentpunkte mehr. Auch die langfristige Hilfe büßte zwei Prozentpunkte ein (11 Prozent in 2025). Besonders bitter angesichts der Milliardenkürzung im Bundeshaushalt.

Diese Ergebnisse des Spendenmonitors korrespondieren auch mit den YouGov-Zahlen: Auch hier ist das Spenden vor der eigenen Haustür attraktiver gewesen. Pastor Ulrich Pohl, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Spendenrates e. V., stellt fest: „Die Menschen fragen stärker nach Wirkung – und sie investieren dort, wo sie Veränderungen direkt sehen.“

Auswärtiges Amt löst Abteilung humanitäre Hilfe auf

Die aktuellen Entwicklungen im Auswärtigen Amt werden allerdings die humanitäre Hilfe wohl noch weiter beschneiden und neuen Interessen unterordnen. Neben anderen Veränderungen soll die Abteilung für Krisenprävention, Stabilisierung, Friedensförderung und humanitäre Hilfe aufgelöst werden. „Das ist in Zeiten von Mittelkürzungen und zunehmenden globalen Krisen das schlechteste Zeichen, das die Bundesregierung weltweit setzen kann“, kritisiert Karl-Otto Zentel, Generalsekretär CARE Deutschland. Auch die zukünftige interessengeleitete internationale Hilfe des Auswärtigen Amtes stellt er in Frage: „Das Budget für humanitäre Hilfe derart stark zu senken, war schon bitter. Wenn das Prinzip ‚Hilfe nach dem größten Bedarf‘ aufgegeben wird, bedeutet das: Wer Hilfe bekommt, wird nicht mehr danach entschieden, wer sie am dringendsten braucht und am meisten leidet, sondern danach, was uns politisch nützt. Wollen wir das wirklich?“ Klar ist: Milliardenkürzungen, wie sie jetzt geplant sind, können durch Spenden für internationale Hilfe nicht aufgefangen werden. „Deutschland riskiert, seinen Ruf als verlässlicher und prinzipientreuer Partner in humanitären Kontexten nun gänzlich zu verlieren“, befürchtet Zentel.

Die ausführlichen Spendenreports zum Download:

Deutscher Spendenmonitor/DRFRV/Bonsai

https://www.dfrv.de/wp-content/uploads/2025/11/2025_11_Spendenmonitor_Presse_DFRV_DZI_FIN.pdf

Bildquellen

  • Statistik: pixabay

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