Großevents und Spenden

Figur auf dem Kölner Karneval mit bittet mit Hut um Geld

Viele Großevents wie Karneval, Festivals und Umzüge kämpfen seit Jahren um Ihre Finanzierung, denn sie sind kostenfrei. Sicherheitsauflagen und Preissteigerungen vergrößern nun das Problem erheblich. Die ersten geben auf. Können Spenden da helfen?

Von Matthias Daberstiel

Der Karneval der Kulturen in Berlin am Pfingstsonntag war ein Riesenerfolg. 770.000 Menschen nahmen friedlich teil. Eine unglaubliche Zahl von Menschen tanzte, lachte und diskutierte gemeinsam auf den Straßen Berlins ohne Ansehen von Hautfarbe, Herkunft, sexueller Orientierung oder religiöser Überzeugung. Doch um ein Haar hätte er gar nicht stattfinden können.

Im Vorfeld fehlten plötzlich 250.000 Euro in der Kasse. Erhöhte Sicherheitsauflagen und gestiegene Kosten wurden als Gründe genannt. Gerade die Sicherheitslage ist für viele Events zu einem Problem geworden. Nach dem Anschlag von Magdeburg oder kürzlich der Amokfahrt von Leipzig müssen solche Veranstaltungen mit Pollern, Durchfahrtssperren und zusätzlicher Polizei abgesichert werden. Da die meisten Feste aber keine politischen Veranstaltungen sind, obliegt die Finanzierung hier den Veranstaltern. Das braucht auch mehr Planungszeit und kooperierende Behörden.

In Dresden hatte die Verwaltung die gestiegenen Auflagen für die traditionsreiche Dixiland-Parade durch die Stadt erst 10 Tage vor Beginn mitgeteilt. Der Antrag war aber bereits im August 2025 gestellt und kontinuierlich an einem Zufahrtsschutzkonzept gearbeitet worden. Offensichtich sahen sich die Veranstalter nicht in der Lage, die gestiegenen Anforderungen umzusetzen, geschweige denn zu finanzieren. Die CDU-Stadtratsfraktion sprach von einem „Desaster“, die Stadt gab sich von der Absage der traditionellen und für die selbst ernannte Kulturstadt auch wichtigen Dixiland-Parade überrascht.

Der Karneval der Kulturen in Berlin stand vor demselben Problem. Erst kurz vor der Veranstaltung wurde klar, dass es finanziell nicht reicht. Neue Sponsoren wurden angesprochen und das Programm gekürzt und so das Defizit auf 80.000 Euro gedrückt. Und es wurde etwas Neues versucht. Die mit den Veranstaltern eng kooperierende Heimatklänge Foundation e.V. als gemeinnütziger Verein rief erstmals zu Spenden auf. Mit sehr mäßigem Erfolg. Bis kurz vor dem Festival waren gerade einmal 6.000 Euro auf dem Konto gelandet. Es bleibt also ein Defizit. Wie kann das sein bei 770.000 Besuchern?

Das Dilemma solcher Großveranstaltungen ist, dass die Finanzierung schon immer stark staatlich gestützt wurde. Beim Markt der Kulturen in Berlin sind es 1,5 Millionen Euro, in Dresden beim Dixiland mit 300.000 Besuchern noch 36.000 Euro. Dabei ist der Nutzen, der aus diesen Geldern gezogen wird, für die Stadt enorm. Eine Studie aus dem Jahr 2011 attestierte dem Markt der Kulturen für jeden ausgegebenen Euro fünf Euro, die wieder in der Kasse klingeln. Solche Großveranstaltungen stärken die regionale Wirtschaftsleistung enorm. Deshalb fordert die IHK in Dresden auch „keine einseitige Kostenverlagerung staatlicher Aufgaben auf die private Hand“.

Doch gerade die Wirtschaftlichkeit ist natürlich für Menschen, die spenden sollen, kein Argument. Niemand möchte Lückenbüßer für ausfallende Finanzierung sein und damit die regionale Wirtschaft stärken. Das ist staatliche Aufgabe. In Berlin versuchten die Veranstalter, Spenden über konkrete Beispiele zu animieren. Da ging es um Sicherheitsteams, Sauberkeit, Toiletten: alles keine wirklichen emotional ansprechenden Spendenthemen, was auch die fehlende Professionalität der Veranstalter im Fundraising zeigt.

Das zweite Problem ist eine Mischung aus staatlicher und privater Finanzierung. Werden die Festivals und Umzüge mit Sponsoring und Fundraising erfolgreich, denkt man in der Verwaltung schon mal über Kürzungen nach, anstatt das andersherum zu sehen und die Erfolgreichen zu stärken. Das Geld ist halt knapp. Und wenn Haushaltsentscheidungen durch politischen Stillstand erst spät getroffen werden ist auch die Planungssicherheit weg. Dieses Thema wird sich angesichts bröckelnder Gewerbesteuereinnahmen zunehmend auch auf Regionen Deutschlands verlagern, die bisher kein Problem hatten, wie Köln zum Beispiel.

Der Kölner Karneval ist keine Institution, er ist Religion. Deshalb ist die Ausfallliste auch recht kurz, zuletzt wegen Corona. Aber auch hier steigen die Kosten exorbitant. In Köln schätzt die Sicherheitsfirma Coredinate die Sicherheitskosten für den Kölner Karneval auf sechs Millionen Euro. Andere Karnevalsumzüge in Kempten, Erfurt, Marburg, Frankenthal, Bingen wurden wegen explodierender Sicherheitskosten deshalb 2026 abgesagt. Sponsoren konnten die Kostensteigerungen nicht auffangen.

Die Kölner haben sich dafür beim Thema Merchandising etwas einfallen lassen. Seit letztem Jahr können die Jecken zur Unterstützung des Kölner Karnevals eine Rosenmontagszug-Spange im Shop erwerben. Sie ist im Design dem Schild „D’r Zoch kütt“ zu Beginn des Karnevals-Umzuges nachempfunden und neben dem Original auch in Silber und Gold erhältlich. Die Preise liegen zwischen 10 und 50 Euro.

Dass Karnevalisten dem Spendenthema nicht abgeneigt sind, zeigt die Spendenaktion „Mer looße üch nit allein” von 2021. Ziel war es hier, die Künstler und die Organisatoren hinter dem Kölner Karneval zu unterstützen, die an der Corona-Krise zu knabbern hatten. Über eine Million Euro kamen 2021 zusammen, besonders durch ein aufmerksamkeitsstarkes Streaming-Event mit den Stars des Kölner Karnevals in der leeren Lanxess Arena. So funktioniert Fundraising. Mit Spaß, emotionalen Themen und einer engen Verbindung zu den Karnevalistinnen und Karnevalisten.

Bildquellen

  • Kölner Karneval-Bitte: privat

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