Umgang mit anonymen Spenden

Umschlag mit Aufschrift Spende für Arme und Geldscheinen

Anonyme Spenden sind nicht neu – wie jüngste anonyme Zuwendungen in Uelzen zeigen. Sie werfen aber Fragen zu Motivation, Risiken und professionellem Umgang mit diesen Spenden auf. Was Organisationen beachten sollten, zeigt dieser Beitrag.

In Kirchgemeinden und Organisationen begegnen uns anonyme Spenden ganz praktisch: In Uelzen beispielsweise landete kürzlich eine dritte anonyme Geldspende für Kinderprojekte im Briefkasten, jeweils im Bereich von einigen hundert Euro, verbunden mit dem Wunsch, bedürftigen Kindern zu helfen – ohne dass die Gebenden sich zu erkennen gaben.

Warum machen Menschen das?

Solche Spenden sind also längst kein theoretisches Phänomen mehr. In der Praxis verschränkt sich hier oft der Wunsch, Gutes zu tun, ohne Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, mit überlieferten normativen Ideen, einfach „still und verborgen“ zu geben – ein Motiv, das auch aus ethischer Reflexion im Fundraising bekannt ist, etwa in Bezug auf die klassische Almosengabe.

Ein weiterer Grund ist Medienaufmerksamkeit zu vermeiden. Wie das Major Giving Institute erläutert, wollen gerade Großspenderinnen und Großspender anonym bleiben, weil sie nicht von anderen Organisationen um weitere Spenden gebeten werden wollen, Freude am Geben empfinden, aber keinen Dank im Rampenlicht wünschen oder sich durch ihre finanzielle Situation unwohl fühlen, öffentlich aufzutreten.

Interessant ist, dass die Möglichkeit anonym zu spenden, sogar ein Erfolgsfaktor für Projekte sein kann. Eine Studie zu Crowdfunding-Projekten in China zeigte, dass die Anzahl der anonymen Spenden die Höhe der erzielten Crowdfundingsumme positiv beeinflusst. Das steht eigentlich im Gegensatz zur Logik dieser Plattformen, die ja bewusst auf einen Peer-to-Peer-Ansatz setzen, um noch mehr Unterstützer zu gewinnen. Eventuell teilen aber auch die anonymen Spenderinnen und Spender das Projekt, ohne aber selbst mit einer konkreten Summe in Erscheinung zu treten. Dies wurde aber in der Studie nicht untersucht.

Klassischerweise sind abgegebene oder übersandte Barspenden der Weg für anonyme Spenden. Aber es gibt heute auch digitale Wege. Plattformen wie bcause.com oder GoodCrowd.org. treten als Treuhänder zwischen die Spendenden und die Organisationen und gewährleisten so die Anonymität. Auch Spenden in Form von Kryptowährungen können anonym getätigt werden.

Welche Gefahren bestehen?

Anonyme Spenden bergen allerdings auch Risiken, die Organisationen ernst nehmen sollten. Zwar müssen gemeinnützige Organisationen anders als Parteien in Deutschland anonyme Spenden nicht anzeigen. Aber die fehlende Herkunft kann die Legitimität der Spende und damit auch der NGO in Zweifel ziehen.

Als beispielsweise 2019 öffentlich wurde, dass die amerikanischen Universitäten MIT und Harvard große anonyme Spenden von Jeffrey Epstein, der wegen sexueller Übergriffe auf Minderjährige und Menschenhandel vor Gericht stand, angenommen hatten, kam es zu einem öffentlichen Aufschrei: Beide Unis überarbeiteten daraufhin ihre Richtlinien für solche Spenden. So berichtet es Tory Martin und Michael Layton vom Dorothy A. Johnson Center. Ohne die strafrechtlichen Ermittlungen wäre das allerdings nie an die Öffentlichkeit gelangt.

Kai Dörfner von evas Stiftung empfiehlt, für die Annahme solcher anonymen Spenden die folgenden Perspektiven einzunehmen und seine ethische Entscheidung aus deren Blickwinkeln zu treffen:

  • die Spenderin / der Spender in ihrer/seiner Gesamtheit
  • der von der Organisation unterstützte Zweck
  • falls die Organisation Menschen hilft, deren Perspektive
  • die Öffentlichkeit, auch in Form der Medien

Wenn also anonyme Großspenden in die Öffentlichkeit geraten, können sie Misstrauen oder kritische Fragen aufwerfen, etwa welche Interessen hinter einer Zuwendung stehen oder ob verdeckte Einflussnahme im Spiel ist. Diese Debatten können die Reputation einer NGO negativ beeinflussen. Die Initiative transparente Zivilgesellschaft schreibt zum Beispiel vor, dass Zuwendungen, die mehr als 10 Prozent der Jahreseinnahmen einer Organisation ausmachen, veröffentlicht werden sollen, um eine potenzielle Einflussnahme transparent zu machen und Korruption vorzubeugen. Diese Regelung wurde auch in das Lobby-Register übernommen. In dem Fall wäre die Annahme einer anonymen Spende in der Höhe nicht möglich.

Verhalten bei anonymen Spenden

Aus rechtlicher Perspektive können deutsche Organisationen grundsätzlich anonyme Spenden akzeptieren. Es gibt auch nach dem Geldwäschegesetz keine Identifikationspflicht. Bei Barspenden über 10.000 Euro oder ungewöhnlich hohen Beträgen ist es aber angeraten die Herkunft und Annahme im Vier-Augen-Prinzip zu dokumentieren. Um sich abzusichern, ist öffentliche Transparenz das Beste. So wäre eine öffentliche Bitte sich bei der Organisation zu melden möglich oder ein öffentlicher Dank oder die Publikation was mit der Spende passieren soll. Auch eine Einbindung der Öffentlichkeit. Etwa durch eine Abstimmung für welches Projekt die Spende eingesetzt werden soll, ist eine Möglichkeit die Spendenannahme zu legitimieren.

Um mit anonymen Spenden professionell umzugehen, empfehlen die Rechtsanwältinnen Julia Barth und Dr. Marietta Birner klare interne Regeln und Abläufe. Organisationen sollten Richtlinien zur Annahme und Prüfung anonymer Zuwendungen entwickeln, die festlegen, ab wann eine Prüfung der Herkunft sinnvoll ist, wie Dokumentation und Entscheidung erfolgen und wer in der Organisation dafür verantwortlich ist. Bei kleineren Vereinen kann die Annahme auch im Vorstand diskutiert und die Entscheidung im Vorstandsprotokoll dokumentiert werden.

Selbstverständlich können auch die Organisationen selbst als Treuhänder von anonymen Spenderinnen und Spendern auftreten. Sie können garantieren, dass der Name des Spenders oder der Spenderin nicht öffentlich genannt wird. Auch dann nicht, wenn die letzte Spende lange zurück liegt. So spendete jahrelang eine Person jedes Jahr 500.000 Euro für den Erhalt der Altstadt von Görlitz in Sachsen. Über zehn Millionen Euro kamen für die Altstadt-Stiftung zusammen. Nach 22 Jahren war dann 2016 Schluss. Die Anonymität der Person ist bis heute gewahrt. Die Stadt Görlitz würdigte die Spenderin bzw. den Spender 2017 mit einer Ausstellung, die die Wirkung der Spenden aufzeigte.

Bildquellen

  • Anonyme Spenden: MD

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