KI-Bilder im Fundraising: Effizienz mit Nebenwirkungen

Kampagnen-Motiv Plan International

Künstliche Intelligenz verspricht günstigere und schnellere Kampagnenproduktion. Doch eine aktuelle Studie zeigt: Der Einsatz von KI-Bildern kann die emotionale Bindung schwächen und das Vertrauen in Organisationen untergraben. Damit steht mehr auf dem Spiel als nur die Wahl des richtigen Bildmaterials.

Viele NGOs stehen unter wachsendem Druck: steigender Bedarf, sinkende Budgets, höhere Erwartungen an Kommunikation. KI-generierte Bilder erscheinen da als naheliegende Lösung – schnell, flexibel und kostengünstig. Doch genau diese Effizienz kann zur Schwachstelle werden. Eine Studie der University of East Anglia, die den Einsatz von KI-Bildern in Social Media untersuchte, zeigt, dass der Einsatz solcher Bilder nicht nur Produktionsprozesse verändert, sondern die Wahrnehmung der Organisationen bei ihrer Zielgruppe grundlegend beeinflusst.

Der Fokus verschiebt sich – weg vom Anliegen

Die Analyse von 171 KI-generierten Bildern und über 400 öffentlichen Social-Media-Kommentaren macht ein zentrales Problem sichtbar. Sobald KI-Bilder eingesetzt wurden, verschob sich die Diskussion. Nicht mehr Armut, Umwelt oder Menschenrechte standen im Mittelpunkt, sondern Fragen wie: Ist das Bild echt? Darf man so kommunizieren? Kann man dieser Organisation vertrauen? Der eigentliche Zweck der Kampagne trat deutlich in den Hintergrund. Aufmerksamkeit wurde zwar gebunden, aber am falschen Ort.

Fundraising lebt aber von emotionaler Bindung. Genau diese gerät ins Wanken, wenn Zweifel an der Authentizität entstehen. David Girling, Mitautor der Studie, bringt es auf den Punkt: „Wohltätigkeitsorganisationen existieren, weil Menschen sich um andere Menschen kümmern. Sobald das Publikum anfängt zu hinterfragen, ob das, was es sieht, real ist, gerät die emotionale Bindung […] in Gefahr.“

Selbst transparente Kennzeichnung hilft dabei kaum. Obwohl der Großteil der untersuchten Bilder als KI-generiert ausgewiesen war, blieb die Kritik bestehen. Das Problem ist also nicht fehlende Offenheit, sondern die Wahrnehmung selbst.

Mehr verlieren als gewinnen?

Muss man sich also zwischen Effizienz und Glaubwürdigkeit entscheiden? KI ermöglicht schnellere Produktion und geringere Kosten. Gleichzeitig wächst das Risiko, Vertrauen zu beschädigen. Girling warnt daher: „Organisationen könnten weit mehr Vertrauen verlieren, als sie an Effizienz gewinnen.“

Hinzu kommt ein weiteres Dilemma: KI kann helfen, Betroffene zu schützen, etwa indem keine realen Bilder verwendet werden. Doch viele Spender erwarten weiterhin „authentische Zeugnisse“ und reagieren skeptisch auf künstlich erzeugte Darstellungen.

Diese Studie zeigt auch, dass die Öffentlichkeit sensibler geworden ist. Deborah Adesina, Co-Autorin, betont: „Die Zukunft des Storytellings […] wird davon abhängen, ob Organisationen […] Legitimität, Transparenz und moralische Kohärenz bewahren können.“ Inkonsistenzen werden schnell sichtbar, etwa wenn Nachhaltigkeitsorganisationen energieintensive KI-Tools einsetzen. Solche Widersprüche können die Glaubwürdigkeit stärker beschädigen als jede misslungene Kampagne.

KI-Bilder in der Praxis?

Der Einsatz von KI ist also kein rein technisches Thema. Er berührt den Kern von Kommunikation und Vertrauen. Für NGOs ergeben sich daraus drei zentrale Fragen:

  • Unterstützt das gewählte Bild die Glaubwürdigkeit der Organisation?
  • Stärkt es die Verbindung zum Anliegen oder lenkt es davon ab?
  • Passt der Einsatz von KI zur eigenen Wertebasis?

Die Antwort darauf entscheidet nicht nur über die Qualität einer Kampagne, sondern über ihre Wirkung. KI kann also Prozesse im Fundraising effizienter machen. Doch Empathie lässt sich nicht beliebig skalieren. Wer Bilder einsetzt, die Zweifel erzeugen, riskiert mehr als nur Kritik, nämlich die Grundlage für Unterstützung. Oder anders gesagt: Nicht alles, was sich einfacher produzieren lässt, lässt sich auch leichter vermitteln.

Das Foto zeigt ein Kampagnenmotiv von Plan International 2023 – KI-generiertes Bild um die Opfer zu schützen.

Bildquellen

  • Kampagnen-Motiv Plan International: Plan International/YouTube

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