Golfturniere als Türöffner für das Fundraising

Krebshilfe Bruttosieger Markus Roehl beim Abschlag

Golfen für den guten Zweck: Das ist in Deutschland mittlerweile üblich. Doch bei Organisation und Umsetzung gilt es einiges zu beachten. Wie eine Hilfsorganisation damit jährlich sechsstellige Beträge einwirbt und warum Benefizturniere auch etwas für regionale Organisationen sind.

Golf gilt in Deutschland immer noch als Elite-Sport. Und ja, es gibt weiterhin exklusive Clubs. Golfturniere bieten aber auch enorm viele Möglichkeiten für ein Benefizevent. Erkannt hat das auch die Deutsche Krebshilfe. Sie organisiert mittlerweile nicht mehr nur ein Turnier, sondern eine ganze bundesweite Turnierserie. Wer sich regional sportlich durchsetzt, bekommt die Chance, beim Finale dabei zu sein. Schon das zeigt: Sportlicher Ehrgeiz und Benefiz können sich gegenseitig beflügeln.

45 Jahre Golfen für den guten Zweck

Immerhin 45 Jahre ist es her, dass die Deutsche Krebshilfe ihr erstes Golfturnier ausrichtete. Mittlerweile sind über 10 Millionen Euro zusammengekommen. Allein in der vergangenen Saison wurden bundesweit insgesamt 325.000 Euro für den guten Zweck erspielt. Beteiligt sind daran mehr als 120 Golfclubs, die auf ihren Plätzen Turniere veranstalten und so zum Gesamtergebnis beitragen. Von Ende März bis August spielten in ganz Deutschland etwa 7.000 Golferinnen und Golfer mit.

Geschickt wird die gesamte Turnierserie auch für das Sponsoring genutzt. Die Deka, ein Finanzdienstleister, und die örtlichen Sparkassen wollen es sich nicht nehmen lassen, ebenfalls Kontakt zur betuchten Klientel aufzunehmen. Nach Angaben der Krebshilfe kommt so der gesamte Erlös dem Spendenzweck zugute. Üblicherweise gibt es bei Benefizturnieren auch „Lochsponsoren“, die an einzelnen Spielbahnen Präsenz zeigen dürfen. Immerhin 18 Sponsoren wären so möglich. Und da ein Turnier durchaus vier bis fünf Stunden dauern kann, bleibt auch viel Zeit für den persönlichen Austausch und das Kennenlernen.

Großspender gewinnen auf dem Golfplatz

Gerade im Großspendenfundraising zeigt Golf seine Stärke. Die Kontaktmöglichkeiten sind bei einer Golfrunde besonders ausgeprägt. Allerdings muss man die sogenannten Flights, also die Gruppen, die zusammenspielen, auch entsprechend planen. Alle Großspender in eine Gruppe zu packen, ist wenig hilfreich. Vielmehr sollten gemeinsame Interessen und persönliche Anknüpfungspunkte berücksichtigt werden. Idealerweise spielt in jedem Flight auch ein Vertreter der Organisation mit, der bereits Beziehungen zu einzelnen Mitspielenden hat und diese vertiefen oder neue Kontakte knüpfen kann. Die vier bis fünf Stunden auf dem Golfplatz bieten dafür reichlich Gelegenheit. Eine sehr gute Anleitung bietet dafür dieser Beitrag, der auch organisatorische Fragen thematisiert.

Auch regional ein Erfolgsmodell

Spannend ist, dass dieses Konzept auch auf regionaler Ebene und für kleinere Initiativen hervorragend funktionieren kann. So erbrachte das Oktoberturnier des Golfclubs Hof mit 59 Spielerinnen und Spielern einen Ertrag von 10.000 Euro für eine regionale Rollstuhlgruppe. Stolze 110.000 Euro haben die Benefizturniere auf dem Golfplatz am Donner Kleve in dieser Saison für wohltätige Zwecke eingebracht.

Interessant ist hier, dass dort auch Firmenturniere für den guten Zweck genutzt werden. So erbrachte das Turnier des Kieler Bambusfahrradherstellers Myboo mit 120 Teilnehmenden allein 34.000 Euro für eine Schule in Ghana. Diese Turniere sind also auch für Unternehmenskooperationen relevant.

Ohne engagierte Golfclubs geht es nicht

Unterstützung braucht es meist von den Golfclubs selbst. Nicht oft wird man auf ein so engagiertes Team wie das des Golfclubs am Donner Kleve in Dithmarschen stoßen. „Wir haben den ganzen Sommer praktisch kein Wochenende frei gehabt“, erzählt Clubchefin Martina Wagenknecht gegenüber Boyens Medien. Dennoch sei die Stimmung hervorragend. „Das hat viel Spaß gemacht, und hier laufen alle mit einem Lächeln im Gesicht herum.“ Möglich wurde das aber auch nur durch viele freiwillige Helfer. Interessant ist, dass sich gerade dieser Club nicht als exklusiv versteht, sondern eher an einer breiten Spielerschaft interessiert ist. Die Betonung von Gemeinsamkeiten steht am Abend bei selbst gemachtem Kartoffelsalat und Frikadellen im Clubhaus dann auch im Vordergrund. Gute Voraussetzungen für ein überraschend unelitäres, aber erfolgreiches Fundraising.

Bildquellen

  • Markus Roehl beim Abschlag: Deutsche Krebshilfe

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