„Digitalisierung und Daten sind die größten Baustellen bei den meisten Organisationen“

Jirka Wirth

Jirka Wirth, Dipl.-Betriebswirt (BA) und Fundraising-Manager (FA), bringt über 20 Jahre Erfahrung im internationalen Fundraising mit. Heute berät er NPOs weltweit in Strategiefragen, unter anderem zu Markteintritt und Wachstum. An der Fundraising Akademie leitet er die Fortbildung „Fundraising-Referent*in (FA)“.

Du bist international im Fundraising unterwegs. Jetzt leitest du an der Fundraising-Akademie einen digitalen Einsteiger*innenkurs an. Was gehört für dich zur Grundausstattung, um im Fundraising zu starten?

Leidenschaft ist entscheidend. Gerade am Anfang muss viel aufgebaut werden, und das ist oft mühsam. Widerstände gehören dazu, nicht unbedingt aus Ablehnung, sondern weil viele Dinge erst zusammengeführt werden müssen. Fundraising betrifft schließlich die gesamte Organisation: von der Buchhaltung über HR bis zur IT und Kommunikation. Das lässt sich nicht im Alleingang stemmen. Deshalb braucht es Ausdauer, um erste Erfolge zu erzielen, Rückschläge zu verkraften und dranzubleiben. Fachwissen und Tools kann man sich aneignen – Leidenschaft nicht.

Wenn du auf deine eigenen Anfänge zurückblickst: Welche Fehler sollte man vermeiden?

Die teuren. Es ist besser, klein anzufangen und zu lernen. Ich war zum Beispiel überzeugt, wir bräuchten unbedingt eine eigene App. Das war teuer und am Ende wirkungslos. Wer schaut schon regelmäßig in eine App einer Organisation? Seitdem gilt für mich: lieber schrittweise vorgehen und testen. Das gilt auch für größere Entscheidungen wie die Auswahl einer Datenbank. Es muss nicht sofort die große Lösung sein. Wichtiger ist, dass sie funktioniert und mitwachsen kann.

Wo siehst du aktuell den größten Nachholbedarf im Fundraising?

Ganz klar im Digitalen. Viele sprechen über KI und ihre Möglichkeiten, aber es fehlt oft an den Grundlagen: saubere Daten, funktionierende Datenbanken, vernünftiges Tracking. Diese Basics gibt es seit Jahren. Dennoch wird der zweite Schritt vor dem ersten gemacht. Dabei gilt: Jede technologische Lösung ist nur so gut wie die Daten, auf denen sie basiert. Ohne strukturierte Datenerfassung und -pflege funktioniert digitales Fundraising nicht. Das ist in Deutschland aus meiner Sicht die größte Baustelle.

Der Kurs „Fundraising-Referent*in“ wurde inhaltlich überarbeitet. Was sind die Schwerpunkte?

Der Kurs vermittelt vor allem die Fähigkeit, eine Fundraising-Strategie systematisch zu entwickeln – von der Analyse über die Zielsetzung bis zu konkreten Maßnahmen. Das ist zentral, denn viele Organisationen starten direkt mit Maßnahmen, ohne eine klare Strategie. Das führt oft zu ineffizienten Ergebnissen. Ich habe selber den Kurs als Fundraising-Manager gemacht, und das ist für mich heute immer noch wertvoll.

Natürlich behandeln wir auch alle wichtigen Instrumente wie Online-Fundraising, Großspenden, Erbschafts-Fundraising und Direct Mailing. Auch Face-to-Face-Fundraising ist Teil des Programms, alles vermittelt von ausgewiesenen Expert*innen.

Also ein solides methodisches Fundament?

Genau – immer ausgerichtet an den Zielen und Möglichkeiten der jeweiligen Organisation. Besonders wichtig ist die abschließende Agenturarbeit, in der das Gelernte praktisch angewendet wird. Das ist erfahrungsgemäß ein Highlight. Ich sehe das in den leuchtenden Augen der Teilnehmenden. Sie gehen mit viel Motivation und einem gut gefüllten Werkzeugkasten aus dem Kurs.

Der Kurs findet vollständig online statt. Vorteil oder Nachteil?

Ganz klar ein Vorteil. Spätestens seit Corona hat sich die Akzeptanz stark verändert. Weiterbildung muss heute zum Leben passen, nicht nur zum Beruf. Gerade für Menschen mit Familie ist es ein großer Gewinn, ortsunabhängig lernen zu können. Das Format ist inzwischen selbstverständlich geworden und ermöglicht gleichzeitig ein gutes und bezahlbares Angebot.

Für wen ist der Kurs gedacht?

Für Beginnende genauso wie für diejenigen, die bereits erste Erfahrungen gesammelt haben. Auch Organisationen, die neue Fundraising-Stellen aufbauen, profitieren davon. Die Inhalte reichen von strategischen Grundlagen über Methoden bis hin zu rechtlichen und steuerlichen Aspekten, vermittelt von praxiserfahrenen Profis.

Was nehmen die Teilnehmenden am Ende mit?

Vor allem das Verständnis, dass Fundraising strukturiert angegangen werden muss und dass es Teamarbeit ist. Fundraiserinnen und Fundraiser sind keine Alleinunterhalter, sondern arbeiten immer im Zusammenspiel mit verschiedenen Bereichen der Organisation. Schön ist auch, zu sehen, dass viele Teilnehmende über den Kurs hinaus vernetzt bleiben und sich weiter austauschen, online wie offline. Das zeigt: Auch digital entstehen tragfähige Netzwerke.

Mehr Fortbildung Fundraising-Referent*in (FA)

Am 11. Mai 2026 startet die Fortbildung Fundraising-Referent*in (FA) als komplett digitaler Kurs. Für die Leserinnen und Leser des ngo-dialog gilt noch ein Frühbucherrabatt von 250 Euro bis zum 28. April 2026.

Bildquellen

  • Jirka Wirth: privat

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