Fundraising auf katholisch

Hammer und Zange falsch angewendet mit Nagel und Schraube

Die Deutsche Bischofskonferenz hat „ambitionierte Sparmaßnahmen“ angekündigt, weil sich die Mitgliederzahl der katholischen Kirche weiter verringert. Treffen wird das vor allem den Haushalt des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD). Doch warum wird gespart, anstatt in Fundraising und Mitgliederbindung zu investieren? Ein Rundblick auf das katholische Fundraising in Deutschland.

Die Pressemitteilung hatte es in sich. Die Deutsche Bischofskonferenz teilte Anfang Juli mit, dass „angesichts sinkender Mitgliederzahlen und eines erwartbaren Rückgangs des Kirchensteueraufkommens ambitionierte Sparmaßnahmen der Kirche in Deutschland notwendig“ seien. Treffen wird es den Haushalt des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD) der von den 129 Millionen Euro, die er durch eine Verbandsumlage der Diözesen erhält, im Jahr 2027 acht Millionen Euro einsparen muss. Den Bistümern fehlt das Geld.

Zu den geplanten Sparmaßnahmen erklärt die Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz und Geschäftsführerin des VDD, Dr. Beate Gilles: „Der Sparprozess, der parallel bereits in vielen Bistümern läuft, ist unumgänglich. Es wird harte Einschnitte geben, die unvermeidlich sind. In der nächsten Zeit wird es Gespräche mit Zuschussempfängern geben, mit einigen wurden sie bereits geführt.“

Der VDD unterstützt vor allem caritative Einrichtungen, wie die Caritas oder auch die Kinder- und Jugendarbeit. Dort ist man mittlerweile frustriert von der Kürzungsdebatte und verweist auf die Wichtigkeit der Arbeit mit der katholischen Jugend. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) sieht zentrale Orte kirchlicher Jugendarbeit, wie z.B. Jugendbildungsstätten und Jugendstellen, massiv unter Druck. Kürzt die Kirche hier ausgerechnet an ihrer eigenen Zukunft? „Kirchliche Jugendarbeit ist weit mehr als ein Freizeitangebot“, erklärt BDKJ-Bundespräses Dr. Stefan Ottersbach. „Sie schafft Räume, in denen junge Menschen Gemeinschaft erleben, ihren Glauben entdecken, Demokratie leben und sich engagiert in Gesellschaft und Kirche einbringen. Diese Orte sind unverzichtbar und dürfen nicht der Sparpolitik zum Opfer fallen.“ Doch was wäre der Ausweg?

Eher Abbau im katholischen Fundraising

Noch vor Jahren galt das Bistum Hildesheim als Vorreiter im kirchlichen Fundraising. Mittlerweile ist die ehemalige Fachstelle für Fundraising mit mehreren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Geschichte. Nur noch ein ehemaliger Mitarbeiter ist jetzt als Organisationsberater für das Bistum tätig. Im Bistum Bamberg soll die seit 2020 verwaiste Stelle zumindest im September dieses Jahres nun wieder besetzt werden. Dies sind nur zwei Beispiele, wie sich katholisches Fundraising in den letzten Jahren entwickelt hat: eher zurück als nach vorn. Und das trotz der Perspektive, bis 2060 die Hälfte ihrer Mitglieder zu verlieren.

Eine 2016 veröffentlichten Studie hatte nicht nur deutlich aufgezeigt, wo die Kirchen bis 2060 Mitglieder verlieren. Sondern auch wie man diese ungute Entwicklung aufhalten kann. Als Gegenmaßnahmen werden Investitionen in Mitgliederbindung und Fundraising empfohlen. So könnte man die Hälfte des prognostizierten Mitgliederverlustes auffangen. Der Leiter der Studie Prof. Bernd Raffelhüschen machte 2016 klar: „Unsere Analyse macht aber auch deutlich, dass die Kirchen gerade in den kommenden zwei Jahrzehnten weiterhin über Ressourcen zur Umgestaltung verfügen. Diese gilt es klug einzusetzen“.

Nach zehn Jahren hat sich nicht viel getan

Nun sind fast zehn Jahre vergangen. Doch in den 27 Erzbistümern und Bistümern verlief die Entwicklung im Fundraising völlig unterschiedlich. Investitionen fanden fast nicht statt. Nur das Erzbistum Speyer hat dieses Jahr einen ersten Fundraiser eingestellt. Viele bauten sogar ab oder ließen Stellen unbesetzt. Andere hatten noch nie Stellen für das Thema. Von 27 Diözesen haben heute nur elf Fundraiserinnen oder Fundraiser angestellt. Die Mehrheit von 16 Diözesen hat keinerlei Personal für das Thema. Die mit Abstand größte Fundraisingabteilung hat das Erzbistum Freiburg mit fünf Mitarbeitenden.

Ist der Leidensdruck durch den Mitgliederschwund eventuell noch nicht groß genug? Zwar verloren im vergangenen Jahr die Bistümer wieder etwa eine halbe Million Mitglieder. Das Kirchensteueraufkommen blieb aber noch stabil. Es lag 2024 bei rund 6,52 Milliarden Euro. Trotzdem ist die Entwicklung ungut, denn die Kosten sind enorm gestiegen. Es ist also weniger Geld da, und die Mitglieder kündigen schneller als noch 2026 eingeschätzt. Fragt man bei den Bistümern ohne feste Stellen nach, wird einem fast überall versichert, dass man die Wichtigkeit des Themas Fundraising erkannt hat, nur eben noch nicht jetzt.

Beim Bistum Osnabrück hört sich das so an: „Da die Kirchenmitgliederzahlen sinken und wir deshalb auf Dauer von zurückgehenden Kirchensteuereinnahmen ausgehen müssen, wird das Thema Fundraising in den kommenden Jahren jedoch zunehmend an Bedeutung gewinnen“, so der stellvertretender Pressesprecher Thomas Arzner.

Auch beim Bistum Mainz erkennt man im Fundraising „perspektivisch auch Potenzial“. Pressesprecher Tobias Blum sieht da aber noch Arbeit auf sein Haus zukommen. Weil Fundraising aus seiner Sicht eine neue Herangehensweise an Projekte, nämlich die Perspektive der Spenderinnen und Spender beinhaltet, bevor man an die Umsetzung gehen kann. „Es konnten bereits Projekte über Fundraising umgesetzt werden, gemessen an den Möglichkeiten, die Fundraising eröffnen kann, stehen wir jedoch eher am Anfang eines Prozesses“, gibt er sich selbstkritisch.

Kaum Personalausbau trotz Erfolge

Sehr oft ist in den Antworten der Bistümer auf ein Presseanfrage des Fundraising Magazins von Spenden lediglich als einer Ergänzung der Kirchensteuereinnahmen die Rede. Offenbar steht man hier wirklich am Anfang, wenn man die Möglichkeiten des Fundraisings nur auf Einnahmen und nicht auf Beteiligung von Spenderinnen und Spendern oder die Bindung von Mitgliedern an die katholische Kirche definiert.

Interessant ist, dass selbst in Bistümern, wo es bereits Erfolge im Fundraising gab, kein Bedürfnis spürbar ist, dieses durch Personal zu verstetigen und auszubauen. So verweist man im Bistum Dresden-Meißen stolz auf den Neubau der Propsteikirche Leipzig (2015) oder das gerade geschaffene Altargemälde für die Basilika Wechselburg durch den bekannten Leipziger Künstler Michael Triegel. Es wurde durch Spendenmittel in sechsstelliger Höhe möglich. Verantwortlich für diese Spendensammlung war allerdings fast allein das persönliche Engagement von Pater Maurus vom Kloster Wechselburg. Für die Kampagne der Probsteikirche wurde externer Sachverstand verpflichtet.

Beim Bistum Essen setzt man nicht auf Spenden, sondern auf Information. 2013 hat das Bistum Essen das eigenes Mitgliedermagazin BENE – Das Magazin des Bistums Essen [www.bene-magazin.de] ]an den Start gebracht. Vier Mal im Jahr wird es an rund 450.000 katholische Haushalte im Bistum Essen‎ kostenfrei verschickt. Bei „Fundraising-Bedarf lässt sich das Bistum Essen projektbezogen von externen Fundraising-Fachleuten beraten“, erläutert der Leiter des Stabsbereichs Kommunikation Jens Albers. Auch hier ist man also eher auf Einnahmen durch entstehende Bedarfe fixiert.

Katholische Fundraiser kritisieren Geld-Fixierung

Spricht man mit katholischen Fundraiserinnen und Fundraisern, werden die Aussagen deutlicher. So schätzt Thomas Theis für sein Bistum Trier ein, dass das Potenzial von Fundraising „noch nicht ausgeschöpft und in der Finanzierungsplanung noch nicht selbstverständlich“ sind. „Die Haltung und die Kultur im Umgang mit Spenden, Stiftungen und Förderwesen beginnt sich langsam zu wandeln. So wird zunehmend bei Projekten oder Aktivitäten von Beginn an das Thema Fundraising mitgedacht.“ Ein Fehler ist für ihn, dass im „Fundraising noch zu sehr auf das Geld fokussiert wird“. Das sei allerdings nicht nur ein rein katholisches Phänomen. „Die pastoralen und kommunikativen Chancen werden erst langsam entdeckt. Wenn zum Beispiel eine Kirchengemeinde den Schritt gewagt und ein erfolgreiches Spendenprojekt umgesetzt hat, sind die Akteure meistens von der Resonanz und dem Aktivierungspotenzial überrascht“, stellt er zufrieden fest.

Beim Bistum Würzburg ist Dr. Martin Schwab Leiter der Fachstelle Fundraising und einer der erfahrensten katholischen Fundraiser. Von 2007 bis 2021 gab es allerdings bereits eine Stabsstelle Fundraisingberatung im Bistum. Diese bestand aus ihm als Leiter und in der Regel etwa sechs Beraterinnen und Beratern auf Honorarbasis. „In dieser Zeit wurden bei begleiteten Projekten rund 1,5 mal so viele Spenden generiert, wie an Vollkosten für die Stabsstelle anfiel“, berichtet er. Trotzdem wurde aus der Stabsstelle nur noch eine Fachstelle. Mittlerweile plant die Diözese einen Neuaufbau einer Kompetenzstelle Fundraising ab 2026. Perspektivisch sei auch für ihn „eine Vernetzung mit dem Thema Mitgliederkommunikation, Mitgliederbindung und Mitgliedergewinnung im Kontext von Organisationsentwicklung angesagt.“

Operative Begleitung in Aachen und Augsburg

Als Fundraiserin sieht Katharina Braun, Referentin für Fundraising im Bistum Aachen das Thema als „strategischen und seelsorglichen Beitrag, der weit über monetäre Wirkung hinaus reicht: „Fundraising bedeutet Beziehungspflege und Beteiligung.“ Aachen und Freiburg sind unter den Bistümern zuerst ins Fundraising eingestiegen. Das zeigt sich auch an dieser Haltung. In Aachen versucht man, vor Ort zu fördern und zu befähigen. Fundraising „verbindet Menschen, Projekte und Ressourcen. Das Bistum unterstützt Engagierte, ihr Fundraising selbstständig aufzubauen, durch partnerschaftliche und praxisnahe Unterstützung mit Materialien, Veranstaltungen und Beratung. So kann langfristig Wirkung entfaltet werden.“ beschreibt es Braun.

Auch beim bisher ohne Fundraising-Stellen auskommenden Bistum Augsburg hat man die Dimension des Fundraisings ganzheitlich erkannt: „Obwohl Spenden zu den Grundvollzügen christlichen Handelns gehören, ist Fundraising oft noch nicht selbstverständlich Teil pastoraler und strategischer Verantwortung“, zeigt sich Viktoria Zäch von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit und Medien selbstkritisch. „Besonders das Missverständnis, Fundraising diene primär der Geldbeschaffung, hat Entwicklung verhindert. Beziehung und Beteiligung der Gebenden müssen ins Zentrum rücken – mit einer Kultur des Dialogs, die über die Kerngemeinde hinauswirkt. Unterstützt u.a. von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus unserer Abteilung für Pastoral- und Organisationsentwicklung wollen wir genau daran in Zukunft arbeiten.“

Offensichtlich ist, dass die Entwicklung der 27 Bistümer enorm unterschiedlich ist. Einige befinden sich noch ganz am Anfang und müssen Fundraising für sich noch definieren und finden. Andere sind erste Schritte gegangen und sehen Fundraising nicht mehr nur als Geldbeschaffung. Wenn man aber wirklich den Mitgliederschwund aufhalten will, braucht es jetzt Investitionen und klare Entscheidungen. Thomas Theis vom Bistum Trier wünscht sich daher „Mehr Mut, Fundraising mal auszuprobieren, damit die Spenderinnen und Spender, aber auch Fördermittelgeber erkennen, welche Verantwortung Kirche in der Zivilgesellschaft bereits übernimmt.“

Text: Matthias Daberstiel

Bildquellen

  • Katholisches Fundraising: pxhere.com

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